Türkisches Generalkonsulat Düsseldorf

Mitteilung des Generalkonsulats

Erster Jahrestag Unseres Grossen Sieges Der Demokratie , 11.07.2017

ERSTER JAHRESTAG UNSERES GROSSEN SIEGES DER DEMOKRATIE

Binali Yıldırım (*)

Es ist ein Jahr her, dass wir den blutigsten Terroranschlag in der Geschichte der Republik der Türkei überwunden haben. Die Türkei hat in diesem einem Jahr ihre Stabilität, Erholungsfähigkeit und Stärke bewiesen. Es ist wichtig, eine Bilanz des vergangenen Jahres zu ziehen und nach vorne zu blicken.

Vor allem ist es notwendig, daran zu erinnern, womit wir konfrontiert waren. Die Ereignisse in dieser Nacht waren ein Angriff auf den türkischen Staat von Verrätern, die die Türkischen Streitkräfte infiltriert haben und von einem Verwirrten abhängig sind, der sich als „Imam des Universums“ betrachtet. Wir hatten es mit Verbrechern zu tun, die ihr eigenes nationales Parlament bombardiert haben, den Sitz der Sondereinheit der Polizei, der in unserem Kampf gegen Terrororganisationen an vorderster Front kämpft, dem Erdboden gleich gemacht haben, mit Panzern auf wehrlose Zivilisten losgegangen sind und aus Kampfflugzeugen und Angriffshubschraubern geschossen haben. Wir haben in unserer Geschichte solch eine Brutalität nicht erlebt. Dieses Terrornetzwerk hat 250 unserer Bürger getötet und mehr als 2000 unserer Bürger verletzt. 

Rückblickend sind aus dieser äußerst bitteren Erfahrung zwei Dinge hervorgegangen, die Anlass zu Stolz geben. Erstens der Mut und die Entschlossenheit des türkischen Volkes. Bürger aus allen Teilen der Gesellschaft und des politischen Spektrums sind gegen die Putschisten auf die Straßen gegangen. Unsere Fernsehsender haben trotz der Drohungen und des Drucks der Putschisten ihre Sendungen fortgesetzt. Das türkische Volk wurde eins. 

Zweitens hat das türkische Volk der ganzen Welt gezeigt, dass es für die Demokratie eintritt und eintreten wird. Mein Volk hat bewiesen, dass nicht bewaffnete Gruppen, sondern nur demokratisch gewählte Regierungen und der nationale Wille die Türkei dominieren können. Die stärkste Legitimität ist die demokratische Rechtmäßigkeit. Diese schwierige demokratische Prüfung haben wir als Land mit Ehre bestanden. 

Jedoch wird sich die Frage meines Enkelsohnes, die er mit seiner ganzen 
kindlichen Art gestellt hat, in mein Gedächtnis und in das Gedächtnis anderer einprägen: „Opa, sind das nicht unsere Soldaten?“ Was für eine Geisteshaltung kann in der Tat einen Menschen ermöglichen, seine eigenen Landsleute, seine eigenen Einrichtungen, seine eigenen Symbole und seine eigene politische Führung auf diese brutale Weise anzugreifen?

Die Antwort liegt in der Natur des verräterischen Netzwerks, mit dem wir konfrontiert sind. In dieser Nacht waren wir mit einem kriminellen Netzwerk konfrontiert , das die Anweisungen seines Anführers Fetullah Gülen, die durch einen Theologieprofessor übermittelt wurden, blind befolgte. Wir sprechen von einer verräterischen Bande, die auf dem als Zentrale genutzten Militärstützpunkt den Geschäftsführer eines der FETÖ gehörenden Unternehmens und den scheinbaren Inhaber einer durch die Organisation betriebenen Schule mit einem militärischen Gruß begrüßte und die  von der 1000-jährigen glorreichen Vergangenheit der türkischen Soldaten nichts mitbekommen hat. 

Im Grunde hat unsere Regierung das wahre Gesicht von Fethullah Gülen bereits vor dem 15. Juli erkannt und etwas dagegen unternommen. Wir bemühten uns, die Ausweitung  dieser Struktur innerhalb des Staates aufzudecken. Auch hierbei hatten wir eine wichtige Etappe erreicht. Allerdings hat der Putschversuch vom 15. Juli auf eine bittere Weise aufgezeigt, dass die Gefahr, der wir ausgesetzt sind, weit über unseren Vermutungen liegt und noch tiefer und lebendiger ist. Die Größe des Komplotts, den Fethullah Gülen zur Übernahme des türkischen Staats seit 40 Jahren geschmiedet hat, kam zum Vorschein. FETÖ-Mitglieder haben sich gemäß der Anweisung von Fethullah Gülen, „ in  den Kapillaren des Systems bewegt, ohne jemanden von ihrer Anwesenheit spüren zu lassen“ und sind wie eine Infektion, die durch einen Virus entsteht, der etappenweise alle lebenswichtigen Organe des Körpers einnimmt, in fast „alle Machtzentren“ eingedrungen. Ein Jahr lang infolge des 15. Juli wurden umfangreiche administrative, strafrechtliche und gerichtliche Ermittlungen geführt. Es wurden umfassende Befunde bezüglich dieser Struktur, die den Putschversuch geschmiedet und umgesetzt hat, festgestellt. 

Die vorliegenden Befunde zeigen Folgendes: Wir sind einer Struktur ausgesetzt, die ein abweichendes, esoterisches Glaubenssystem mit Fethullah Gülen an der Spitze gebildet hat. Die Schulen und Heime der Organisation dienten als Zentren für Gehirnwäsche und militante Sammelstellen. Das Infiltrieren staatlicher Einrichtungen durch Mitglieder dieser Organisation, die hier ausgebildet wurden und dem Anführer, den sie als „Messias“ betrachten, treu ergeben sind, wurde ermöglicht. Somit gelangten Menschen an entscheidende Positionen, die im Sinne der Ziele der Organisation jegliche Aktionen gegen Recht und Moral ausführen  konnten, ohne diese zu hinterfragen. Diese Personen haben in den Prüfungen für den Staatsdienst Verschwörungen wie Regelwidrigkeit, illegales Abhören, Erpressung und erfundene Prozesse geschmiedet. Mit Hilfe von Vereinigungen, die unter dem Namen von Wohltätigkeitsvereinen und Stiftungen gegründet wurden, wurden Finanzquellen für die Organisation geschaffen. Mittels großer Unternehmen und Banken fanden Geldbewegungen im Wert von Millionen von Dollar statt. Die Medien-Stütze der Organisation hingegen diente als ein Propagandawerkzeug. Kann es eine „Bildungsbewegung“ geben, die zellenähnlich arbeitet, sich unter Decknamen identifiziert, verschlüsselte Anwendungen zur Kommunikation untereinander erfindet, ihren Mitgliedern Methoden zum Widersetzen gegen den Geheimdienst und Taktiken zur Verheimlichung ihrer Zugehörigkeit lehrt? Diese neue Generation einer Terrororganisation hat ausnahmslos von jeder Methode Gebrauch gemacht, um diejenigen, die nicht zu ihnen gehörten, zu eliminieren. Somit hat sie gemäß ihrer eigenen abweichenden Bestrebungen nicht nur versucht, die Regierung zu übernehmen, sondern auch den Staat der Republik Türkei. Es waren eben diese abweichenden und gefährlichen Bestrebungen,  die das türkische Volk am 15. Juli besiegt   hat. 

 

Ich kann sagen, dass wir mit den Maßnahmen, die wir ergriffen haben, das Rückgrat der Organisation in der Türkei gebrochen haben. Jedoch beschränkt sich die Gefahr nicht nur auf die Türkei. In vielen Ländern gibt es ähnliche Strukturen dieser Organisation, wie in der Türkei.  Sie säen innerhalb anderer Staaten nun weiterhin Samen des Verrats. Um am Leben zu bleiben, streben sie diesmal auf eine noch aktivere Weise wirtschaftlichen und politischen Einfluss auf globaler Ebene an. Ich möchte all unsere Freunde bei dieser Gelegenheit erneut warnen.

 

Das türkische Volk hat der ganzen Welt gezeigt, dass die Demokratie nicht auf eine einfache Weise erlangt wird, sie jedoch ein derart wertvoller Besitz ist, für den man selbst das Leben opfert. Unsere erste Aufgabe ist es, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, sodass wir nie wieder einer ähnlichen Gefahr ausgesetzt sind. Wir geben uns größte Mühe, diese schwierige Phase innerhalb der Grundordnung zu durchlaufen. In  letzter Analyse wurde die türkische Demokratie zum Ziel genommen, wobei unsere Demokratie obsiegte. Folglich beabsichtigen und bemühen wir uns, mit der Zeit die erforderlichen Schritte zu unternehmen, um von nun an die Demokratie zu den sichersten Gipfeln und vorbildlichsten Stellen zu tragen. 

 

(*) Ministerpräsident der Republik Türkei